Diabetes mellitus und Leistungssport!  
     
 

...auf den ersten Blick ein unmögliche Kombination. Für jeden mit der Erstdiagnose Diabetes mellitus ist Sport zunächst eine unkalkulierbare Aktivität die es zu vermeiden gilt. Doch je größer das Wissen und die Alltagserfahrungen  werden, desto sicherer wird man im Umgang mit körperlicher Aktivität. Dies soweit steigerbar, dass sogar Hochleistungssport  möglich ist.

Die ersten beiden Wochen in den USA sind wie im Zeittraffer vergangen. Zusammen mit meinen Teamkollegen vom Team Novo Nordisk Development macht Training plötzlich so viel mehr Spaß als alleine und die neuen Strecken tun ihr übriges dazu. Wir leben alle zusammen, 12 Fahrer aus 10 verschiedenen nationen in einem großen Haus in der Nähe von Atlanta. Schon allein die Tatsache macht "Alltagstrott" unmöglich.
Das Training startet eigentlich immer um 10 Uhr, ab und zu geht's am Nachmittag auch noch mal aufs Rad. Ruhetage sind quasi obligatorisch verbunden mit einer Ausfahrt zu einem Kaffee in der Umgebung! Kann ich mich gut dran gewöhnen.

Den ersten Kontakt zum Team Novo Nordisk hatte ich im September 2013. Auf der mHealth Tour von Brüssel nach Barcelona (2100km/ca. 30000hm), einer Charity Veranstaltung zugunsten der Diabetesforschung, bin ich die zwei Wochen mit den Fahrern des Teams in einer Gruppe unterwegs gewesen. Während der letzten Etappe hat mir
dann der Teamdirektor angeboten, im nächsten als Profi ein Teil des Development Teams zu werden. Unglaublich und in dem Moment total verrückte Vorstellung. Definitv aber eine einmalige Chance, die man wohl nur einmal im Leben bekommt. Also habe ich nicht lange überlegt und den Vertrag unterschrieben.
Im Dezember fand das erste Trainingslager in Santa Barbara statt und wir bekamen einen ersten Teil der Ausrüstung inkl. Orbea Orca Teamrad. Dort habe ich erstmal das ganze Team kennengelernt und war mir von da an sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Bis das Visum für die Einreise in die USA als Profisportler endlich ausgestellt war, habe ich die meiste Zeit in Schwanfeld trainiert. Zum Glück hatte ich meine Teamkollegen vom Swan Racing Team, sodass
es auch mal Abwechslung und Windschatten auf den Ausfahrten gab. Ordentlich Grundlage und Höhenmeter  habe ich dann am Gardasee getankt und die ersten Rennkilometer in Süddeutschland gesammelt.  Anfang Ap
Prolog Joe Martin Stage Raceril startete dann endlich der Flieger in die USA.

Nach einer Woche Training in Alpharetta stand das erste Rennen in Sparta, Tennessee an. Vom Start weg konnten sich zwei Teamkollegen und ich, sowie zwei weitere Südamerikanische Fahrern vom Feld absetzen. Wir
konnten den Vorsprung bis ins Ziel halten und am Ende mit Platz 2, 4 und den 5. für mich herausholen.  Damit war ich durchaus zufrieden, zum einen weil ich viel für meine Teamkollegen gearbeitet hatte. Zum anderen, weil wie sich im Nachhinein herausstellte unsere zwei südamerikanischen Mitstreiter Teil der kolumbianischen Nationalmannschaft sind.

Zwei Tage Erholung in Atlanta und dann machten wir uns auf den Weg nach Arkansas zum Joe-Martin Stage Race. 2 Tage im Van und gut 1200km... Mein erstes Etappenrennen unter Profis. 4 Etappen inkl. Bergzeitfahren als Prolog. Mit einem 115. Platz  bin ich solide gestartet und konnte mich auf der zweiten Etappe mit einem 87. Rang auch im Gesamtklassement noch deutlich verbessern. Die dritte Etappe lief auch gut, aber leider wurde ich disqualifiziert, da ich mich an unserem Teamwagen festgehalten hätte... Tja, damit war auch die 4. Etappe passe und das Gesamtergebnis auch.

Direkt nach der letzten Etappe ging es auf die 11h Rückfahrt im Bus nach Atlanta und 24h später startete dann auch schon der Flieger nach Moskau. Schon am Tag nach der Landung beginnen drei Eintagesrennen (Mayor Cup, Memorial of Oleg Dyachenko und Grand Prix of Moskau alle UCI 1.2) gefolgt von einem Ruhetag.  Im Anschluss beginnen die "5 Rings of Moscow" UCI 2.2, eines der ältesten Rennen in der Radsportgeschichte im Herzen Moskaus! Hoffe die Beine lassen sich nicht vom Jet-Lag zu sehr beeinflussen!? 

Wie es gelaufen ist, dann nach den "5 Rings". Viel Spaß beim Lesen & Grüße aus Moskau!

Die DiTour 2013 war eine Charity-Aktion des Vereins "Entscheidendes Bewegen". Auf der Strecke vom Rheinfall in Schaffhausen bis ans Meer in Flensburg, einmal der Länge nach durch Deutschland, sollten möglichst viele Spenden für Kinder mit Typ-1 Diabetes gesammelt werden. Ich durfte das DiTour-Team einen Tag auf der Strecke von Karlsruhe nach Limburg begleiten. Eine großartige Aktion!


Unterzucker gehören leider zum Alltag eines Typ 1 Diabetikers. Es gibt Situationen, in welchen man trotz aller Erfahrung und Vorsicht nicht mehr selbst Herr der Lage wird. Mehr dazu im folgenden Video.



"Seinen" Diabetes mellitus hat Simon Strobel in der Öffentlichkeit nie verheimlicht. Dieser offene Umgang führte auch zu großem Verständnis und Interesse in seinem Bekanntenkreis. Dennoch war das Thema Diabetes nicht ständig präsent, sondern wurde zum Selbstverständnis und damit zur Nebensache. Sehr positiv ist aber, dass seine Freunde und Bekannte wissen, wie im Fall einer schweren Hypoglykämie zu verfahren ist und ihm so ein Gefühl der Sicherheit vermitteln!

"Diabetes, die wichtigste Nebensache der Welt!"

(Bericht aus dem Magazin "Innovate", März 2005)

 Leistungssportler mit Diabetes mellitus sollten jedoch nicht nur offen mit ihrer Erkrankung umgehen. Viel mehr ist es nötig sich ein breites Wissen über den Diabetes anzueignen, das weit über das vermittelte Wissen bei Schulungen in Kliniken hinausgeht. Denn nur so ist es möglich, die extremen Belastungen in Training und Wettkampf richtig im Blick auf den Diabetes einzuschätzen und die Therapie dementsprechend anzupassen. Natürlich ist die ärztliche Unterstützung unerlässlich!

"Diabetes und Leistungssport, dargestellt an einer Ausdauersportart."

 (Facharbeit von Simon Strobel)